Was einst von Kritikern abschätzig als mögliches „Kompetenzzentrum für Petersilie“ bezeichnet wurde, hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem international anerkannten Wissenschaftsstandort entwickelt. Straubing steht heute weltweit für Forschung, Lehre und Anwendung in den Bereichen Nachhaltigkeit, Nachwachsende Rohstoffe sowie Biotechnologie und Bioökonomie. Den Grundstein dafür legte das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo), das zunächst mit den beiden Säulen Technologie- und Förderzentrum (TFZ) sowie CARMEN (Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk) startete und später um das Wissenschaftszentrum erweitert wurde.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des KoNaRo blickte der Verein Hochschulstadt Straubing beim diesjährigen Campusfest auf diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurück. Oberbürgermeister Markus Pannermayr brachte dabei das Erfolgsrezept des Wissenschaftsstandortes auf den Punkt: Straubing sei groß genug, um exzellent zu sein, gleichzeitig aber klein genug, damit sich Wissenschaft, Politik und Praxis persönlich kennen und unkompliziert zusammenarbeiten könnten.
Dass der Weg dorthin keineswegs selbstverständlich war, wurde in einer Gesprächsrunde unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Toni Hinterdobler deutlich. Ausgangspunkt der Entwicklung war die Enttäuschung darüber, dass Straubing Anfang der 1990er-Jahre bei der Vergabe neuer Fachhochschulstandorte leer ausgegangen war. Engagierte Persönlichkeiten wie der damalige Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann, Verleger Hermann Balle sowie weitere Unterstützer trieben daraufhin die Entwicklung des Wissenschaftsstandortes entscheidend voran. Nach dem Kabinettsbeschluss von 1998 und der Bewilligung von Mitteln aus der High-Tech-Offensive nahm das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe am 2. Januar 2001 seine Arbeit auf.
Zu den Wegbereitern der ersten Stunde zählt Edmund Langer, heute Geschäftsführer von CARMEN und Sprecher des KoNaRo. Er erinnerte daran, dass das Thema Nachwachsende Rohstoffe zunächst vor allem aus der Landwirtschaft heraus Anerkennung gefunden habe und gemeinsam mit der Wissenschaft rasch an Bedeutung gewann. Heute stünden andere Herausforderungen im Mittelpunkt, insbesondere die weitere Stärkung nachwachsender Rohstoffe als Primärenergieträger. Hier gelte es, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen.
Einen weiteren Meilenstein markierte das Jahr 2005 mit der Einrichtung der ersten Professuren. Professor Volker Sieber, Rektor des TUM Campus Straubing, erinnerte daran, dass 2008 der Studiengang „Nachwachsende Rohstoffe“ startete. Inzwischen sei daraus ein breit aufgestelltes Studienangebot rund um das Thema Nachhaltigkeit entstanden. Ziel sei es, Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenzubringen, ihnen vernetztes Denken zu vermitteln und ihnen gleichzeitig eine fachliche Heimat zu bieten. Die Kombination aus Wirtschafts-, Ingenieur-, Sozial- und Naturwissenschaften in dieser Form sei deutschlandweit nahezu einzigartig. Interdisziplinarität sei die Voraussetzung dafür, Nachhaltigkeit erfolgreich in die Gesellschaft zu tragen.
Wie attraktiv der Wissenschaftsstandort Straubing inzwischen für Studierende geworden ist, zeigte das Beispiel von Kenshin Park. Der 21-Jährige studiert im vierten Semester den Bachelorstudiengang „Sustainable Management and Technology“ und entschied sich bewusst für den überschaubaren Campus in Straubing. Die kurzen Wege, die angenehme Größe der Stadt und das ausgewogene Verhältnis zwischen Studienalltag und Freizeit hätten ihn überzeugt. Als einer von zwei Deutschlandstipendiaten wird er derzeit vom Verein Hochschulstadt unterstützt. Das Deutschlandstipendium wird jeweils zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern finanziert und umfasst insgesamt 3.600 Euro für mindestens zwei Semester.
Neben seinem Studium arbeitet Kenshin Park regelmäßig im elterlichen CNC-Betrieb in Mainz mit, um seinen erkrankten Vater zu unterstützen. Gleichzeitig verfolgt er das Ziel, das Familienunternehmen künftig nachhaltiger auszurichten. Auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich intensiv mit Innovationen: So entwickelt er eine Lern-App für Studierende mit hoher Bildschirmzeit und arbeitet gemeinsam mit der Firma Gluth an einer KI-Software zur Optimierung von Produktionsprozessen. Besonders schätzt er die Offenheit der Menschen in Straubing. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem einen weiteren Ausbau der Start-up-Szene sowie eine bessere Bahnanbindung.
Seit 2005 engagiert sich der Verein Hochschulstadt Straubing für die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes. Nach dem offiziellen Festakt nutzten Studierende, Dozierende und Mitglieder des Vereins die Gelegenheit, den Jubiläumstag bei einem gemeinsamen Buffet, Musik und vielen Gesprächen auf dem Campus der TUM ausklingen zu lassen.