„Bleiben Sie neugierig“, lautete die Botschaft des Abends von der Prorektorin des TUM-Campus, Prof. Dr. Anja Faße, an die Preisträger. Zum 16. Mal haben der Verein Hochschulstadt Straubing und der Rotary Club den Wissenschaftspreis für herausragende Master- und Promotionsarbeiten verliehen. Ebenso wurden im Hörsaal im Campusgebäude an der Uferstraße von der Fachschaft zwei Lehrpreise, die „Student Teaching Awards“, an Dozenten überreicht.
„Talente, die hier studieren, haben eine exzellente Möglichkeit, sich ausbilden zu lassen“, sagte Prof. Faße. Das unterstrich auch Landrat Tobias Beck. Er sieht vor allem im Bereich Nachhaltigkeit den Standort Straubing mitsamt Landkreis bayernweit „sehr weit vorne“. Gerade beim Thema Biotechnologie gelte es weiterhin, neue Erkenntnisse zu gewinnen, betonte Oberbürgermeister Markus Pannermayr: „Ohne Fortschritt und Innovationen werden wir die Probleme der Zukunft nicht meistern können.“
Ausgezeichnet wurden Lisa Wilfert für ihre Masterarbeit, Prof. Dr. Christoph Drobner für seine Promotion sowie die beiden Dozenten Prof. Dr. Claudia Doblinger und Dr. Manuel Ibañez mit dem „Student Teaching Award“.
„Ein Startpunkt für weitere Forschungen“
„Es gibt Lebensläufe, die sind logisch. Und solche, bei denen man sich denkt, das muss man sich erst einmal trauen“, sagte Jürgen Zosel vom Rotary Club. Lisa Wilfert gehöre zur zweiten Kategorie, da sie zunächst mit Wirtschaftswissenschaften begonnen habe und anschließend für einen Master im Bereich Chemieingenieurwesen an den TUM-Campus gewechselt sei. Das Thema ihrer Masterarbeit war der Umgang mit CO₂. Vereinfacht ausgedrückt: „Wir haben zu viel davon in der Luft und versuchen, es wieder herauszuholen.“ Für Laudator Prof. Dr. Jakob Burger war die Arbeit mehr als nur eine sehr gute Abschlussarbeit: „Sie ist ein echter Startpunkt für weitere Forschungen.“
Wilferts Motivation lag darin, wie sie in einer Präsentation darstellte, dass es 2023 eine globale Emission von 38 Milliarden Tonnen CO₂ gab – und die Prognose für 2050 bereits bei 41 Milliarden Tonnen liegen soll. Die Folgen seien „extreme Wetterereignisse und Versauerung der Ozeane“. Hier sah sie einen „dringenden Handlungsbedarf zur Verringerung der atmosphärischen CO₂-Konzentration“. Dafür stand sie stundenlang für Versuche in Laboren. Mit Erfolg: „Ausgezeichnet im wahrsten Sinne des Wortes“, lobte Prof. Burger ihre Arbeit.
„Publikationen, auf die man neidisch ist“
Bei der prämierten Promotionsarbeit von Prof. Dr. Christoph Drobner handelt es sich um eine interdisziplinäre Arbeit, die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verbindet. Thema ist die „Entwicklung und wirtschaftliche Folgen von Selbstüberschätzung“. In seiner Dissertation „The Evolution and Economic Consequences of Overconfidence“ untersuchte er, wie Menschen trotz objektiver Informationen übermäßig selbstbewusste Überzeugungen entwickeln und welche Folgen dies für ihr wirtschaftliches Verhalten hat.
Direkt nach seiner Promotion erhielt er eine Stelle als Assistenzprofessor in Wien. In der Laudatio bezeichnete Prof. Doblinger seine bisherigen Publikationen als solche, „auf die Wissenschaftler neidisch sind“. Für die Dissertation fand sie die passenden Worte: „Top. Überragend.“
Neben einer Masterabsolventin und einem Promovierenden wurden auch in diesem Jahr Lehrkräfte von den Studierenden ausgezeichnet. Geehrt wurden Personen, „die sich durch außergewöhnliches Engagement, unerschütterlichen Einsatz und eine inspirierende Leidenschaft für akademische Exzellenz auszeichnen“, wie es in der Preisbeschreibung heißt.
Eine der Geehrten war Prof. Dr. Claudia Doblinger. Sie ist als „Associate Professor for Innovation and Technology Management“ tätig und gilt als Vorbild für Engagement, Herzlichkeit und Tatkraft. Für die Studierenden sei sie eine „inspirierende Mentorin“, hieß es bei der Verleihung. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Dr. Manuel Ibañez, der an der Professur für Chemische Verfahrenstechnik tätig ist. Ihm liege nicht nur der akademische Erfolg der Studierenden am Herzen, sondern auch, seine eigene Begeisterung für das Fach weiterzugeben.
Landrat Beck gab allen Preisträgern mit auf den Weg, die Begeisterung für ihre jeweiligen Themen weiterhin aufrechtzuerhalten. OB Pannermayr fügte hinzu, dass sie auch in Zukunft ihren eigenen Weg gehen und Kraft sowie Mut aufbringen sollen, Dinge zu hinterfragen und zum Positiven zu verändern.
Prof. Faße wünschte sich, dass die Preisträger mit dem Wissen, das sie sich angeeignet haben, andere mitziehen: „Damit ein Studierender, der heute in diesem Hörsaal sitzt, einer der kommenden Preisträger sein wird.“
Für die musikalische Untermalung mit klassischen Stücken sorgten Gerold Huber, Heike Fischer, Christiane Amareller und Fred Flassig, die spontan von Toni Hinterdobler zum „Wissenschaftspreis-Quartett“ ernannt wurden.